THE REBBELS

Sorry, ich habe die REBBELS nie live gesehen. Ich war gerade 10 Jahre alt, als Monkey Monkey erschien. Aber wir hatten die Platte in unserem Laden und ich habe sie gekannt.                                    

                                   

1955 in Niedermendig geboren und in Kruft aufgewachsen verbrachte ich den Großteil meiner Kindheit in dem Geschäft meiner Großeltern. Elektro Müller, auf 80 Quadratmeter zusammengedrängt  Fernseher, Lampen, Radios, Glühbirnen, Kaffeeservice und.........Schallplatten.                

Bereits früh faszinierten mich diese runden, schwarzen Scheiben mit ihren bunten, illustren Papierhüllen. Zunächst waren es Märchen und Abenteuerplatten, meist von der Firma Polydor, die mich ansprachen. Dann waren es Schlager wie Da sprach der alte Häuptling der Indianer oder Der Mann im Mond von Gus Backus.

                  

1963 überrollte eine neue Welle unsere von Nachkriegsdepression und Wirtschaftswunder gebeutelte kleine Welt. Ich spürte dieses prickelnde Etwas, als ich erstmals Bilder dieser neuen Musiksensation aus England auf der Rückseite einer Rundfunk-Zeitung sah. Dazu die Empörung der Erwachsenen. Eine nie zuvor erlebte Magie ging von diesen vier Burschen mit ihren Pilzkopf-Frisuren aus. Ich bekniete meine Mutter Platten der Beatles zu ordern. Und dann trudelten die ersten Scheiben ein, alle in diesen merkwürdigen Barhockercover. Ich musste nachsehen und hören, ob es wirklich verschiedene Songs waren, die da aus den Lautsprecher dröhnten. Dann die ersten Platten mit bunter Bildhülle Long Tall Sally und Sie liebt dich (oder auch mich).

                  

Ein Jahr Beatlemania wurde bald abgelöst von einer anderen britischen Combo, noch rauher, noch ungeschliffener - The Rolling Stones. Bis `69 sollten sie meine Favoriten bleiben, neben all den Klassebands wie The Who, The Kinks, The Manfred Mann, The Dave Clark Five, The Small Faces und und und..... begleitet vom ARD Beatclub, Musikzeitschriften wie Bravo, Musikparade, OK und später Musikexpress.

             

Weihnachten `68 erhielt ich einen Philips Kassettenrekorder. Fortan versuchte ich alle musikalischen Einflüsse auf`s Band  aber auch auf`s Papier zu bekommen. Also erstellte ich meine eigene Top Twenty, 2 x wöchentlich auf Schreibmaschine getippt und im Ringbuch abgeheftet. Doch im Jahr `69 sollte es einen weiteren Einschnitt geben. Ein neuer Wind wehte durch die Musiklandschaft. Woodstock war weit weg, aber Begriffe wie Underground, Progressive Music, Blues Rock etc. erreichten auch uns. Led Zeppelin, Santana, Chicago hießen die neuen Heroes. Alben wie In The Court Of The Crimson King, Stand Up (Jethro Tull), Deep Purple In Rock oder Pink Floyd`s Ummagumma beschlagnahmten den Plattenteller.

                  

In der Folgezeit konnte kein Gitarrensolo schnell genug sein und Stücke konnten ruhig mal 20 Minuten und länger dauern. Dazu neue Deutsche Bands, anfangs als Krautrock abwertend eingestuft, direkt am Deutschen Eck in Koblenz. Bei den Festivals `71 und `72 war ich dabei und saugte alles in mich hinein, Guru Guru, Wind, Nine Days Wonder, Epitaph, alle absolut faszinierend. Es sollte noch rasanter kommen. Mahavishnu Orchestra mit Fingerflitzer John McLaughlin, Yes mit meinem neuen Lieblingsbasser  Chris Squire oder Gentle Giant, Kammermusik im Fusionbereich.

                  

Irgendwann hatte ich die Fresse dick. In England tobte der Punk und ich überlegte mir womit ich den Recorder meines Opel Kadett B bestücken konnte. Mc Laughlin mit 130 Anschlägen in der Sekunde im Duett mit Jerry Goodman im 11/8 Takt.....Nee, das konnte es nicht sein. Stattdessen erinnerte ich mich meiner "alten" Singles. Who, Kinks, Creation, Smoke und Pretty Things, das war mein Beitrag zur Punkbewegung. Und auf meinem Autotape kamen sie absolut geil.

                 

Ich konnte gar nicht genug bekommen von diesen Sixties-Cassetten, alle selbst überspielt. Egal wo ich war, galt meine Aufmerksamkeit immer der Plattensammlung im Wohnzimmer. "Was ist mit den Singles ?" meist erntete ich ein bemitleidenswertes Lächeln mit meiner Frage. "Kannst du mitholen, brauch ich eh nicht mehr." Die Wiedergeburt meiner Sammlerleidenschaft. Im Sommer `80 drückte mir ein Kumpel meine erste Chatterbox (das spätere Sammlermagazin Oldiemarkt) in die Hand. Dann meine ersten Plattenbörsen in Marburg und Bonn in der Uni Mensa im Herbst `80. Bald darauf der Flohmarkt Boom. Ich werd`s nie vergessen. Frühmorgens mit 2 Plastiktüten und `nem Fuffy in der Tasche zum Primus nach Koblenz und zurück mit 5 Kilo Hendrix, Elvis, Stones und anderen Leckerlis, meist für `ne Mark das Stück.

                 

Gut das Ikea bereits die Billy Regale führte. Bald war die erste Wand mit tausenden Vinyl`s gefüllt. Besonderes Interesse weckte in mir aber auch das Sammeln von Scheiben regionaler Acts, selten zu sehende Teile, meist auf Kleinlabeln veröffentlicht. Die Silhouettes aus Neuwied auf Storz Rec., Fifth Dead aus Koblenz auf CCA, andere wie Mayflower (Arzbach) oder Countdown (Koblenz) privat gepresst und nie im Handel erhältlich.

              

Ich archivierte meine Platten gerne in Alben, meist mit Fassungsvermögen von 20 Stück, und bald waren zwei solcher Alben mit raren Scheiben Koblenzer und Neuwieder Bands gefüllt, dabei auch die REBBELS. Es war `98 als ich in Ochtendung in einer Band (ja, es gab auch Musik von mir) mit Robby Rubröder (ex-Vatican) und ex-Silhouettes Drummer Hartmut Rach (im Februar `2006 verstorben) zusammenspielte.

          

Single (1982, Horst links)           CD (1996; Horst links)                    CD (1998)

Ich brachte irgendwann besagte Alben mit zur Probe und dann war`s geschehen. Robby und Hartmut bekamen sich gar nicht ein in alten Zeiten zu schwelgen. Es dauerte nicht lange, da war`s Robby, der die Highlights auf CD brannte, ein nettes Cover entwarf und ihr den Namen Rheinstones verpasste. Ende 2000 erschien die Zusammenstellung Rheinstones, 40 Jahre Beat und Rock am Mittelrhein, in Zusammenarbeit mit der Koblenzer Musikerinitiative Music Live e.V., und brachte auch die REBBELS zurück in Er-innerung.

                    

Ich bemühte mich seiner Zeit mit einzelnen Musiker der beteiligten Bands Kontakt aufzunehmen. Bei den REBELLS gestaltete sich das besonders schwierig, da nur noch Drummer Joseph Gallo hier seßhaft war. Es sollte 5 weitere Jahre dauern bis sich Peter Kiefer und Esteban Comas auf Robbys Homepage meldeten und dann nahm alles seinen Lauf. Kontakte wurden geknüpft und eine erste REBBELS-Story erschien auf Günther Ketterer`s Krautrockseite . Nun ja, wenn ihr bis hierher vorgedrungen seit, habt ihr ja die Vielzahl von historischen und manchmal auch amüsanten Bildaufnahmen und Textbeiträge gesehen und gelesen, die nicht zuletzt auf der tollen Mitarbeit von Peter Kiefer, Joseph Gallo und Eseban Comas basieren. Weiterer Dank gilt Walter Mehlem (Bildbearbeitung der Hauptgrafik), meinem Sohn Steven (für datenverarbeitendes Knowhow), Günther Ketterer (Inspirationen)und Jürgen Rönz (für seine lebendigen Schilderungen). Für Anregungen, News und Kritik (wenn`s denn sein muss), bin ich jederzeit empfänglich.

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